Vorderseite und Rückseite beim Occhi – Wie Du stets auf der richtigen Seite bleibst.

English translation coming soon…

In der Occhiwelt wird oft von Vorder- und Rückseite gesprochen. Das ist manchmal übertrieben (Wer prüft denn ernsthaft hinterher mit der Lupe, ob die Knoten richtig herum sind?). Wenn wir aber den Überblick verlieren, wo unsere Doppelknoten anfangen oder aufhören und uns deswegen verzählen, wird es doch Zeit, uns mit den Seiten auseinander zu setzen.

In manchen Anleitungen steht, man soll die Arbeit wenden, oder man soll von der Vorderseite oder von der Rückseite her arbeiten. Das reicht meiner Meinung nach nicht aus, um dem Thema gerecht zu werden. Ich wollte ganz genau verstehen, wann ein Knoten springen muss und wann nicht um eine saubere Vorderseite zu erhalten.

Schauen wir uns zunächst unseren Doppelknoten an:

Die Anatomie des Doppelknotens

Ein Doppelknoten besteht aus zwei halben Knoten. So weit so gut.
So sieht der Doppelknoten von der Vorderseite her aus:

Vorderseite eine Occhi Doppelknotens, schematische Darstellung

Und so sieht er von der Rückseite her aus:

Rückseite eines Occhi Doppelknotens, schematische Darstellung

Von der Rückseite her betrachtet sind die Knoten logischerweise vertauscht. Die Rückseite besteht natürlich auch aus Doppelknoten, aber sie sind um einen halben Knoten verschoben.

Die „Vertauscher“

Dieses Vertauschen oder Verschieben passiert nicht nur durch das Wenden. Auch drunter oder drüber, springen oder nicht springen und die Wahl des Schiffchens haben den gleichen Effekt.

Wenn wir zwei solcher „Vertauscher“ kombinieren, heben sie sich gegenseitig auf. Es ist ein wenig wie mit + und – in der Mathematik. Hier mal ein paar Beispiele:

gesprungener Drunterknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 1
oder 
ungesprungener Drunterknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 1 
= vertauscht
gesprungener Drunterknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 1 
oder
ungesprungener Drüberknotenknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 1 
= nicht vertauscht
gesprungener Drunterknoten von der Rückseite mit Schiffchen 1
oder
gesprungener Drunterknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 2
= vertauscht

Hier habe ich nochmal alle Vertauscher zusammen gefasst:

  • drunter oder drüber
  • gesprungen oder ungesprungen
  • Schiffchen 1 oder Schiffchen 2
  • Vorder- oder Rückseite

Wie hält man die Arbeit richtig herum?

Meine Arbeit liegt immer automatisch auf der richtigen Seite, weil ich sie immer so aufnehme, dass sich keine Fäden kreuzen. Egal, wie Du die Arbeit hältst, einfache und hängende Ringe drehen sich immer von selbst in ihre Position, weil sie nur an einem Faden hängen. Bei Bögen und geteilten Ringen müssen Schiffchen- und Knäuelfaden bzw. Schiffchen 1 und Schiffchen 2 immer von einander weg zeigen und nicht überkeuzen. Dann sind sie „richtig“ herum. Dadurch dreht sich auch das vorherige Element in seine korrekte Position. Wichtig ist, dass Du mit dem richtigen Knoten und dem richtigen Schiffchen weiter arbeitest.

Handhaltung einer Occhiarbeit vor dem ersten Knoten eines Bogens, Foto

Pure Logik

Ich beginne einfache Ringe immer mit dem Schiffchenfaden (Schiffchen 1) und einem gesprungenen Drunterknoten. Bögen starte ich auch immer mit dem Schiffchenfaden (Schiffchen 1) und einem gesprungenen Drüberknoten. Weil Ringe von der Vorderseite aus und Bögen von der Rückseite aus entstehen, entsteht eine saubere Vorderseite

gesprungener Drüberknoten von der Vorderseite mit Schiffchen 1
oder
gesprungener Drunterknoten von der Rückseite mit Schiffchen 1
= nicht vertauscht

Weil sich die Vertauscher, wie wir ja jetzt wissen gegenseitig aufheben können, gibt es manchmal mehrere Wege zum Ziel. Beim Bogen sind diese beiden Varianten möglich:

gesprungener Drunterknoten von der Rückseite mit Schiffchen 1
oder
ungesprungener Drüberknoten von der Rückseite Schiffchen 2
=nicht vertauscht

Wenn ich meinen einfachen Ring mit einem gesprungenen Drüberknoten starte (also quasi von der Rückseite her arbeite), muss ich nur „einfach“ auch bei allen anderen Elementen einen Vertauscher nutzen und erhalte am Ende eine saubere Vorderseite.

Das ist alles pure Logik. Du hast jetzt trotzdem einen Knoten im Kopf? Kein Problem. Man kann ein Auto auch fahren, ohne zu wissen wie der Motor funktioniert. In meinen Tutorials und Kursen arbeite ich mit einem System von Anfangsknoten, dass Dich automatisch ans Ziel bringt. Du musst Dir nur merken, welches Element wie startet. Das habe ich Dir mal in der folgenden Tabelle zusammen gefasst.

ElementgesprungendrunterVorderseiteSchiffchen 1
Einfacher Ringxxxx
Bogen nach oben gebogen (lächelnd)xx
Bogen nach unten gebogenx
hängender Ringxx
geteilter Ring (erste Hälfte)xxxx
geteilter Ring (zweite Hälfte)

Richtig herum Anschlingen

Du hast alle Knoten richtig gemacht und trotzdem ist die fertige Arbeit irgendwie verdreht? Das kann daran liegen, dass Du irgendwo falsch herum angeschlungen hast. Das passiert besonders leicht bei symmetrischen Ringen mit mehreren Picots. Kannst Du am fertigen Ring sagen, welche Picot Du zuerst gemacht hast?
Im folgenden Bild siehst Du, die Richtung, in der der Ring entsteht.

Für sauberes Anschlingen zwei benachbarter Ringe muss in diesem Fall das erste Picot an des zweiten Ringes an das dritte Picot des ersten Ringes

Für sauberes Anschlingen zweier benachbarter Ringe muss in diesem Fall der zweite Ring nach den ersten beiden Doppelknoten an das dritte Picot des ersten Ringes angeschlungen werden. So liegen die Ringe anschließend richtig herum.

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