Crafting for Children? Why it's okay, not to knit for your kids.

English translation coming soon…

Diesen Artikel habe ich mit einem Augenzwinkern geschrieben. Vielleicht fühlst Du Dich an der ein oder anderen Stelle ertappt. Ich möchte mit diesem Artikel niemanden abwerten, bloßstellen oder belehren. Am Ende des Artikels schreibe ich davon, wie ich mit dem Thema umgehe, aber das ist auf keinen Fall die beste Variante sondern einfach nur die, die sich für mich am besten anfühlt. Was immer für Euch als Familie funktioniert, ist großartig. Macht Euer Ding!

Zur Zeit ist Fasching in Deutschland. Auch bekannt als Fasenacht oder Karneval. Wer mag, darf sich verkleiden und das gilt natürlich auch für die Kinder. Ein riesen Spaß für Groß und Klein – allerdings auch ein weiteres ToDo auf der nicht enden wollenden Liste der chronisch überlasteten Eltern in diesem Land. Und natürlich auch eine weitere Gelegenheit für Eltern, sich gegenseitig zu übertrumpfen.

Man kann zig verschiedene Kostüme fertig kaufen. Manche Kinder verkleiden sich das ganze Jahr über gerne als ihr Lieblingssuperheld und müssen an Fasching einfach nur das aktuelle Lieblingskostüm aus dem Schrank ziehen. Es gibt aber auch Eltern wie mich, die haben (theoretisch) den Anspruch, jedes Jahr ein neues Kostüm extra für Fasching zu entwerfen, zu nähen, zu basteln und zu schminken. Das Kind soll an diesem Tag glücklich sein und umwerfend aussehen und wenn ich ehrlich bin, sollen die Erzieherinnen im Kindergarten, Oma und Opa und natürlich auch die Nachbarn endlich mal sehen und würdigen wie kreativ und clever ich bin.

Klingt anstrengend und eher nicht so clever? Stimmt

Theorie und Realität der Faschingskostüme

Kinder sind eben Kinder. In der Theorie sind sie zuckersüß und ein endloser Quell der Freude. In der Realität haben sie eigene Gedanken und Gefühle und oft machmal sind sie ungeschickt.

Das Kostüm ist schon vor der Party kaputt

Fasching ist aufregend für die Kinder und manche können es kaum erwarten, das neue Kostüm anzuziehen. Sie sind sofort in ihrer Rolle und machen gleich die passenden Bewegungen als schwertführender Ritter, als flatternder Schmetterling oder als Pirouetten drehende Ballerina. Kostüme für Kinder müssen robust sein und Bewegung zulassen. Sonst macht es Krach und die erste Naht reißt auf oder das gebastelte Pappschwert ist schon verknickt, bevor der edle Ritter nur einen Fuß in den Kindergarten gesetzt hat. Auf dem Foto aus dem Kindergarten sieht man später eine traurige Prinzessin – ohne Krone.

Das Kostüm ist nicht das Richtige

Tagelang saß man an der Nähmaschine um das heiß ersehnte, hellblaue Prinzessinenkleid fertig zu bekommen. Am Faschingstag möchte das Kind plötzlich ein Marienkäfer sein. Das ist hart für alle beteiligten. Das Kind bekommt natürlich nicht mal eben ein anderes Kostüm, aber es strahlt halt auch nicht so, wie Mama sich das ausgemalt hatte.

Das Kostüm sieht nicht aus, wie erwartet

Beim Brainstorming für das diesjährige Kostüm waren Eltern und Kind noch voll im Einklang. Das Kind will der Held aus der Lieblingsserie sein. Mama hat sofort Ideen, wie sie das umsetzen kann. Papa wirft den 3D-Drucker an und produziert cooles Equipment. Das Kostüm wird DER HAMMER. Am Faschingsmorgen stellt sich allerdings heraus, dass das Kind im Supermarkt ein Fertigkostüm gesehen hatte und nur dieses Fertigkostüm den Held aus der Lieblingsserie angemessen darstellt. Wieder kein strahlendes Kind.

Das Kind gestaltet das Kostüm um

Eigentlich wollen wir ja, dass die Kinder eigene Ideen haben und kreativ sind. Dann stecken wir sie in unser selbst gebasteltes Hasenkostüm und sind kurz ein bisschen stolz, dass dieses Mal alles klappt. Aber dann kombiniert das Kind selbstbewusst einen Zaubererhut und eine Kinderschürze dazu. Den Hut behält es den ganzen Tag auf. Die Hasenohren bekommt niemand zu Gesicht. Zumindest das Kind strahlt.

Das Kind will sich gar nicht verkleiden

Man hat das Kostüm gemeinsam mit dem Kind geplant, vielleicht hat es sogar eifrig mit gebastelt. Am Faschingsmorgen ist man extra früher aufgestanden, damit genug Zeit zum Verkleiden bleibt. Und dann steht das Kind da mit hängenden Armen und schüchternem Blick. Der Mut hat es verlassen. Es möchte sich nicht verkleiden, sondern einfach nur es selbst sein. Natürlich muss kein Kind sich verkleiden, wenn es das nicht möchte. Das Kostüm hängt Papa (für alle Fälle) an die Kindergartengarderobe. Die ersten Kinder fragen „Als was gehst Du?“ – “ Warum bist Du nicht verkleidet?“…Das Kind erfährt genau die Aufmerksamkeit von allen Seiten, vor der es sich gefürchtet hatte. Es ist eine große Anstrengung sich den Gesellschaftlichen Erwartungen zu widersetzen. Auch diese Erfahrung gehört zum Groß werden dazu.

Warum es ok ist, nicht für sein Kind zu Stricken

Die „Verkleidungskatastrophen“ stehen heute stellvertretend für alles, was wir für unsere Schätze produzieren. Sie zeigen, dass unser romantisiertes Bild vom Selbstgemachten der Realität oft nicht stand hält.

Stricken, Nähen, Häkeln und co. brauchen nicht nur Material, sondern auch Zeit und gerade Zeit ist für viele Eltern ein rares Gut. Wenn ich etwas für mein Kind stricke, dann tue ich das in meiner kaum vorhandenen Freizeit und und es kostet mich extra Kraft, dieses „Opfer“ nicht mit Erwartungen an das Kind zu verknüpfen. Ich möchte insgeheim Dankbarkeit und Wertschätzung.

Das Kind versteht das natürlich nicht und sieht die Stricknadeln vielleicht sogar als Konkurrenten um meine Aufmerksamkeit. Es will gar keinen Pullover mit dem es besonders sorgsam umgehen soll. Es möchte lieber mit mir „Mutter Vater Kind“ spielen.

Wenn also am Ende alle lange Gesichter machen und der Pullover, nur im Schrank liegt, bis das Kind (endlich) raus gewachsen ist, dann lohnt sich der Aufwand einfach nicht. Es ist absolut okay, wenn man seine Zeit lieber anders verbringt. Es gibt unendlich viele andere Möglichkeit, bleibende Erinnerungen mit den Kindern zu schaffen.

Willst Du Deine Freizeit sinnvoll nutzen? Willst Du Anerkennung von den Nachbarn? Oder gar vom Kind?

Sind das die richtigen Ziele für gestresste Eltern? Mach Dir doch einfach einen Kaffee und schaue aus dem Fenster. Das ist ok. Du leistest genug. Du bist genug!

Warum ich trotzdem Dinge für meine Kinder herstelle

Auch wenn ich fast alle oben geschilderten Katastrophen aus dem echten Leben kenne, geht für mich die Rechnung des selber Machens für die Kinder auf. Meine Ansprüche (jedes Jahr ein neues Top-Kostüm) habe ich schon lange herunter geschraubt. Meine Kostüme sind minimalistisch, wenn möglich aus Alltagsgegenständen am morgen schnell gestylt und funktionieren ohne Schmincke. Ich investiere nicht viel Zeit in ein Teil, dass sowieso nur ein paar Stunden getragen wird.

Aber ich investiere gerne Zeit in Dinge, die die Kinder länger begleiten und bleibende Erinnerungen schaffen. Ich Stelle nicht nur Deko und Accessoires her, sondern ich vermittle gleichzeitig Werte und Fähigkeiten.

Meine Mutter hatte für uns Kinder eine große Decke gestrickt. Ich erinnere mich, dass wir oft damit im Garten unterm Kirschbaum spielten. Tatsächlich ist das eine meiner liebsten Kindheitserinnerungen.
Ich hatte selbst gestrickte Pullover und niedliche selbst genähte Kissen und Vorhänge für mein Zimmer. Es wurde nicht alles krampfhaft selbst gemacht, aber ich war immer von Dingen umgeben, die meine Mutter gestrickt oder genäht hatte und ich erlebte, wie sie die Dinge herstellte oder reparierte. Das hat mich geprägt und motiviert, selbst Dinge zu stricken oder zu nähen.
Das möchte ich für meine Kinder auch. Glücklicherweise bringt mein Mann viele weitere Fähigkeiten mit, die er ebenso an die Kinder weiter geben möchte. Unsere Kinder können aus einem bunten Strauß aus Handarbeit und Handwerk wählen.

Baby Bag Finea Und Curved Baby Blanket Lorenz entstanden in meiner ersten Schwangerschaft. Beide Kinder habe ich darin eingepackt, als sie Babys waren. Sie hatten es schön warm und auch ich hatte dabei ein tolles Gefühl von Stolz und Fürsorge.
In der Puppenküche wird mit gehäkelten Zutaten gekocht. Die Kinder lernen, dass man nicht immer alles kaufen muss, sondern aus Resten noch etwas nützliches herstellen kann. Vielleicht wird das bunte Häkelobst sogar für sie genau so eine schöne Erinnerung, wie für mich die Decke unterm Kirschbaum.

Bei allem Engagement für die Kinder ist mir wichtig, dass ich auch Zeit finde um Dinge zu Stricken oder zu Häkeln, die nur für mich sind. Auch darin steckt eine wichtige, vielleicht sogar die wichtigste Botschaft. Man darf auch mal an sich denken und sich selbst eine Freude mache.

Strickst Du für Deine Kinder, Enkel, Nichten, Neffen, oder die Kinder Deiner Freunde? Schreibe mir gerne einen Kommentar.

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