Rette Deine Occhiarbeit – Wie man Fehler beim Occhi behebt

Du hast voller Begeisterung los geknotet, Ring an Ring gereiht, in Bögen und Picots geschwelgt. Heute flutscht es einfach. Siegessicher ziehst Du den nächsten Ring zu und siehst schon Deine fertige Arbeit vor Dir. Zufrieden betrachtest Du, Dein bisheriges Werk. Großartig und soooo befriedigend!

Aber dann siehst Du es. Erst willst Du es gar nicht glauben, aber schließlich wird es bittere Gewissheit.

Du hast einen Fehler gemacht.

So ein Mist. Die ganze Arbeit war umsonst. So gefrustet warst Du lange nicht. Vielleicht hast Du sogar schon eine kleine Sammlung von halbfertigen Stücken mit Fehlern und hast jetzt endgültig die Nase voll vom blöden Occhi.

Das kommt Dir bekannt vor?

Zugegeben, Occhi lässt sich nicht so leicht aufribbel wie eine Strick- oder Häkelarbeit. Trotzdem gibt es Möglichkeiten Fehler zu beheben, als wären sie nie da gewesen.

Wir alle machen Fehler und das ist überhaupt nicht schlimm. Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht.

Was sind die häufigsten Fehler beim Occhi?

  • Ein Picot zum Anschlingen fehlt
  • Ein dekoratives Picot fehlt
  • Ein Ring ist zu klein/groß
  • Es gibt eine große Lücke zwischen zwei Kreisen oder zwischen Kreis und Bogen
  • Halbe Knoten wurden vertauscht
  • Ein Bogen biegt sich in die falsche Richtung
  • Ein Ring lässt sich nicht zu ziehen.
  • Der Faden ist abgerissen
  • Die Knoten sind ungleichmäßig
  • Die Picots sind alle unterschiedlich groß

Wie kann man Fehler vermeiden?

  • Mache kein Occhi, wenn Du müde bist.
  • Optimiere Deine Fadenspannung.
  • Verwende glattes Garn.
  • Benutze nicht einfach irgendwelche Schiffchen, sondern welche die für Dich gut funktionieren.
  • Benutze eine meiner 5 Methoden zum Zählen der Doppelknoten.
  • Lies auch meinen Artikel über den Flow beim Picot.
  • oder benutze eine Picot-Lehre.
  • Suche Dir Muster, die zu Deinem Können passen.
  • Üben, üben, üben 🙂

Wie behebe ich die Fehler?

7 Lösungen für Deine Occhiarbeit

  1. Gelassenheit

    Diesen Punkt setze ich ganz bewusst gleich an den Anfang. Du hast ein einzelnes Picot vergessen? Du hast einen Bogen mit dem falschen halben Knoten angefangen, In einem Ring fehlt ein Doppelknoten? Ganz ehrlich? Wird später jemand mit der Lupe prüfen, ob Du alles perfekt gemacht hast? Wahrscheinlich nicht. Wie viele Leute kennst Du überhaupt, die sich genug mit Occhi auskennen um Deinen Fehler zu bemerken? Nur Du weißt, was passiert ist und höchstwahrscheinlich hast selbst Du das beim übernächsten Projekt längst vergessen. Wenn es also nur eine Kleinigkeit ist, die höchstwahrscheinlich niemand je bemerken wird, lass es einfach, wie es ist und arbeite weiter. Das ist in Ordnung – wirklich.

  2. Anschlingen ohne Picot

    Ich vergesse wirklich oft Picots. Häufig fällt mir das ein paar Doppelknoten später auf. Die Knoten wieder zu öffnen ist nicht nur nervig, sondern auch nicht unbedingt empfehlenswert (dazu gleich mehr). Glücklicherweise braucht man die Picots zum Anschlingen gar nicht wirklich. In jedem Ring, auch wenn er schon zugezogen ist, gibt es ein wenig Spiel. Die Knoten können minimal hin und her rutschen. Das nutzen wir einfach aus und schieben die Knoten dort auseinander, wo das Picot sein sollte. Wir schaffen uns ein Mini-Picot. Stich in die kleine Lücke zwischen Ringfaden und den beiden Knoten und schlinge genau so an wie immer. Wenn die Lücke zu klein ist, probiere eine dünnere Häkelnadel. Es kann auch hilfreich sein, in die Lücke zunächst mit einer Stopfnadel zu stechen und sie damit etwas auf zu hebeln.

  3. Fake Anschlingen

    Du hast zwar das Picot gemacht, aber später das Anschlingen vergessen. Auch das kannst Du retten. Schiebe die Knoten auseinander, zwischen denen Du anschlingen solltest und ziehe ein kleines Fadenstück hindurch. Das kannst Du mit der Häkelnadel oder auch einer Nähnadel/Stopfnadel machen. Ziehe dann den Faden durch das Picot und mache einen Knoten drauf. Achte dabei, dass die Fadenenden auf der Rückseite der Arbeit landen. Schneide die Enden knapp ab und fixiere sie mit einem Tröpfchen Klebstoff.

  4. Knoten öffnen

    Knoten öffnen ist fummelig und dauert lange. Das eigentlich Problem ist aber, dass man dabei häufig den Faden ziemlich stark beschädigt. Egal, ob man mit den Finger(nägel)n oder einer Nadel am Knoten herum pult, es lösen sich dabei Fasern und um so mehr Fasern sich lösen um so mehr Stabilität verliert das Garn.  Es kann sogar passieren, dass man zum Schluss seinen Fehler behoben hat, beim Zuziehen eines Ringes aber der Faden reißt. Das finde ich persönlich besonders ärgerlich. Man kann mal ein, zwei oder vielleicht auch drei Knoten öffnen. Alles was darüber hinaus geht, lohnt sich nicht.

  5. Ringe öffnen

    Ja, Du hast richtig gelesen. Das geht und es ist sogar ziemlich einfach. Wie Du vom Anschlingen ohne Picot schon weißt, gibt es in jedem Ring ein wenig Spiel. Dieses Spiel nutzen wir, um den Ringe wieder zu öffnen.Der Faden im Inneren des Rings verläuft vom Knäuel zum Schiffchen gegen den Uhrzeigersinn. Die Knoten dagegen sind  im Uhrzeigersinn entstanden. Das heißt, wenn der Ring mit der Vorderseite vor uns liegt, sind die ältesten Knoten links unten und aus dem ältesten Knoten kommt der Schiffchenfaden heraus. Wir schieben nun die zwei ältesten Doppelknoten so weit wie möglich von den übrigen Knoten weg und schaffen uns so ein Minipicot. Stich mit Deiner Häkelnadel in das Minipicot und hole Dir damit den innen liegenden Ringfaden. Da Du nahe am „Ausgang“ bist, kannst Du den Faden relativ leicht länger ziehen. Ist der Anfang erst mal gemacht, kannst Du die Knoten auf dem Faden immer leichter verschieben.

  6. Abschneiden und neu Anknoten


    Ja, ja und nochmals ja.

    Schneide ganze Ringe oder Bögen ab und knote einen frischen Faden an. Dies ist die rabiateste aber dadurch auch die schnellste und sauberste Methode um grobe Fehler auszubessern.

    Fehlen Dir in einem Ring mittendrin 6 Knoten und dadurch sind alle Picots verschoben?

    Abschneiden. 

    Ist ein kompletter Bogen in die falsche Richtung gekrümmt?

    Abschneiden. 

    Hast Du mehrere Ringe zu klein gemacht und dadurch ist ein ganzer Abschnitt falsch?

    Abschneiden.

    Doch halt! Noch nicht die Schere zücken. Schneide nicht einfach irgendwo. Du musst ein Stück Faden zum Anknoten übrig lassen. Bei Ringen schiebst Du den ersten und den letzten Knoten auseinander und schneidest den inneren Faden an der Öffnungsstelle durch. Danach ziehst Du am Schiffchen, als wolltest Du den Ring zu ziehen. Dadurch fällt der Ring auseinander. Bei Bögen schneidest Du den inneren Faden hinter dem letzten Knoten ab und ziehst ihn vom Anfang des Bogens her heraus.

    Knote nun den neuen Faden mit dem Weberknoten ganz nah an den letzten Bogen oder Ring. Wie das geht erkläre ich hier .

    Sonderfall: Dir ist bei einem Bogen der Arbeitsfaden gerissen. Wenn Du zusätzlich den Innenfaden abschneidest, musst Du anschließend zwei Fäden ansetzen, hast aber nur einen Bogen, um die Enden zu verstecken. In dem Fall kannst Du überlegen, den Innenfaden vom Schiffchen abzuwickeln, damit Du ihn ohne Schneiden aus dem Bogen heraus ziehen kannst. Das lohnt sich allerdings nur, wenn der Innenfaden nicht zu lang ist.
    Alternativ kannst Du ein Fadenende mit einer Nadel in die Knoten des vorherigen Ring oder Bogen einziehen und das andere Fadenende im neuen Bogen verstecken.

  7. Konzentriert arbeiten

    Der Hund schaut Dich hungrig an. Die Kinder sind müde und nörgeln im Hintergrund herum oder Du hattest einfach einen langen Tag und kannst Dich nicht mehr konzentrieren? Dann lass es für heute gut sein. Es gibt simple Occhiarbeiten, die kann man so nebenbei von den Fingern perlen lassen, aber Fehlerkorrektur braucht Deine volle Aufmerksamkeit. Besonders wach musst Du sein, wenn Du einen neuen Faden angesetzt hast und nun die Stelle arbeitest, die vorher schief gegangen war. Mir ist es schon passiert, dass ich den gleichen Fehler drei mal hintereinander gemacht habe. Am Ende war selbst die Stelle zum Anknoten verschlissen und ich musste einen weiteren Ring opfern um frischen stabilen Faden frei zu legen. Such Dir einen ruhigen Moment mit wachem Geist (ich weiß, diese Momente sind selten), atme tief Durch und behebe den Fehler. Du schaffst das!

Hast Du noch weitere Tipps und Techniken zur Fehlervermeidung oder -behebung? Schreib mir gerne einen Kommentar.

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