English translation coming soon…
Willkommen zum dritten Teil meines Grundlagenkurses.
- Occhi Grundlagen 1 – Springende Knoten und Dein erster Ring
- Occhi Grundlagen 2 – Bögen
- Occhi Grundlagen 3 – Picots und Anschlingen
Nachdem der zweite Teil über die Bögen eher einfach war, wird es jetzt nochmal ein wenig knifflig. Es geht um Picots und um das gefürchtete Anschlingen. Picots sind schnell gelernt, aber man braucht viel Übung, um die gleichmäßig hin zu bekommen. Anschlingen ist (wieder mal) theoretisch auf dem Papier ganz einfach. In der dreidimensionalen Praxis mit Schwerkraft kann jedoch einiges schief gehen. Ich erkläre Dir hier, wie es funktioniert und wie Du die häufigsten Schwierigkeiten überwindet.
Was sind Picots und was ist anschlingen.
Ein Picot ist nichts anderes als eine Lücke zwischen zwei Knoten. Werden die Knoten zusammengeschoben, wölbt sich der überschüssige Faden nach außen und bildet eine dekorative Schlaufe. Diese Schlaufen können auch genutzt werden, um einzelne Elemente miteinanader zu verbinden. Den Verbindungsvorgang nennt man Anschlingen.
Du benötigst wieder glattes Baumwollgarn (z.B. Häkelgarn No 10 mit einer Lauflänge von 280 m / 59 g.)
Außerdem verwenden wir eine passende Häkelnadel (1,5 – 2 mm). (Falls vorhanden, kannst Du natürlich auch ein Schiffchen mit Haken verwenden.)
Für Linkshänder: Im Text kommen die Wörter „rechts“ und „links“ nicht vor. Du kannst Dir die Bilder mit irgendeiner Bildbearbeitungssoftware spiegeln. Der Text passt trotzdem dazu.
Wenn im Text einzelne Finger genannt werden, sind immer die Finger der Haltehand (bei Rechtshändern die linke Hand und bei Linkshändern die rechte Hand) gemeint.
Wie man Picots macht und daran schlingt.
- Erster Ring mit Picot
Fange mit einem einen einfachen Ring an und mache zunächst 6 Doppelknoten. Mache den nächsten Drunterknoten und lasse ihn springen. Lasse ihn anschließend in Richtung des sechsten Doppelknotens gleiten, aber halte ihn ca. 1 cm vor dem Doppelknoten mit dem Daumen fest. Jetzt folgt an normaler Drüberknoten. Ziehe ihn wie immer dicht neben dem vorherigen Knoten fest. Das Picot ist jetzt fixiert. Füge noch einen Doppelknoten hinzu und ziehe den Ring zu.

- Zweiter Ring mit Anschlingen
Beginne einen weiteren Ring und mache zunächst 2 Doppelknoten. Behalte den Ring bei den nächsten Schritten auf den Fingern. So kann sich nichts verdrehen. Achte darauf, dass Du die Vorderseite des erste Rings siehst. Das Picot weist zum zweiten Ring hin. Der Knäuelfaden geht zur Seite von der Arbeit weg und kreuzt keinen anderen Faden.

- Schlaufe holen
Stich mit Deiner Häkelnadel in das Picot und hole den Innenfaden durch.
(Unser Picot is relativ groß, damit Du besser sehen kannst, was passiert. Durch kleinere Picots kommen die Elemente schön nah zusammen und das Anschlingen wird fast unsichtbar.)
- Schlaufe holen schematisch
Hier siehst Du noch einmal das Holen des Innenfadens schematisch.

- Schiffchen durch
Schiebe den Schiffchenfaden vom Knoten aus durch die Innenfadenschlaufe.

- Schiffchen durch schematisch
Hier siehst Du noch einmal wie der Schiffchenfaden durch die Innenfadenschlaufe verläuft schematisch.

- Fäden anziehen
Ziehe zuerst den Innenfaden des Rings zurück. Versuche die Anschlingstelle nah an den letzten Knoten zu setzen. Ziehe dann den Schiffchenfaden an. Im Idealfall kommt die Anschlingstelle dadurch noch ein wenig näher an den letzte Knoten. Ziehe ggf. den Innenfaden nochmal nach. Ziehe immer abwechselnd, nie gleichzeitig an den beiden Fäden.
- Kontrolle
Durch das Ziehen an den Fäden, kann es passieren, dass der Knoten vor dem Anschlingen zurück springt. Gewöhne Dir daher unbedingt diese kleine Kontrolle nach jedem Anschlingen an:
Behalte den Ring weiterhin auf den Fingern, kippe die Hand zu Deinem Körper hin so dass Du die Rückseite des Rings siehst. Vergrößere den Ring indem Du den Innenfaden ein kleines Stück aus dem ersten Knoten heraus ziehst. Wenn sich der Faden leicht ziehen lässt, kannst Du weiter arbeiten.
Falls der Faden sich nicht ziehen lässt, musst Du das Anschlingen rückgängig machen und den letzten Knoten öffnen und wieder richtig springen lassen. Sonst kannst Du zum Schluss den Ring nicht zu ziehen. - Bögen und Sonderfälle
Natürlich können auch Bögen an andere Elemente angeschlungen werden. Solange ein Picot da ist, kann daran angeschlungen werden.
Man kann auch an die Öffnungsstelle eines Ringes anschlingen. Das brauchst Du z.B. beim Ballon Trio Charlie um eine Runde zuschließen.
Das Beispiel oben, habe ich so gewählt, dass sich das Picot zum Anschlingen „anbietet“. Es sitzt direkt am benachbarten Ring und weist sogar in Richtung der Anschlingstelle. Der erste Ring muss auch nicht festgehalten werden, da er ja schon mit dem zweiten Ring verbunden ist.
Wenn man ein Teil in mehreren Runden oder Reihen arbeitet und die neue Runde in einer neuen Farbe beginnt, muss man unter Umständen zwei Teile zusammen schlingen, die bisher noch nichts miteinander zu tun hatten. In diesem Fall lege ich mir beide Teile flach auf den Tisch. Ich achte darauf, dass beide Teile mit der Vorderseite nach oben liegen, lege mir alle Fäden so zurecht, dass möglichst wenig über Kreuz liegt und schlinge dann an, während alles so liegt. Vorwitzige Fäden, die im Weg sein wollen, beschwere ich notfalls mit einem Buch. - Picots Üben
Picots kann man in verschiedenen Größen machen und dadurch verschiedene Effekte erzielen. Man muss Picots eine Weile üben, um sie gleichmäßig zu arbeiten. Du kannst den Daumen als Maß verwenden oder eine sogenannte Picotlehre verwenden. Das ist ein kleines Werkzeug, mit dem Du die Länge des Picot exakt abmessen kannst.
Schaue auch mal in meinen Artikel zum Flow beim Picot.
Zum Üben mache z.B. Ringe mit abwechselnd 2 Doppelknoten und einem Picot und versuche alle Picots gleich groß zu machen oder fange mit einem großen Picot an, und mache die folgenden Picots jeweils ein bisschen kleiner als das Vorherige (wie eine Treppe).
Wie sehen Picots und das Anschlingen in Anleitungen aus?
Ein Picot stelle ich durch einen Bindestrich (-) und das Anschlingen durch ein Plus (+) dar. Die Einzelnen Elemente in einer Occhiarbeit benenne ich nach dem Alphabet, damit ich die Anschlingstelle genau angeben kann. Im folgenden Beispiel soll der Ring B an das Picot von Ring A angeschlungen werden.
A: R 6 - 2
B: R 2 +(an A) 6
In dem Beispiel oben wäre der Zusatz (an A) eigentlich nicht nötig, denn es gibt ohnehin nur ein einziges Picot, an das angeschlungen werden kann. Möglich wäre also auch diese Darstellung
A: R 6 - 2
B: R 2 + 6
In vielen Anleitungen wechseln sich Bögen und Ringe gleichmäßig ab und jeder Ring soll an den Vorherigen angeschlungen werden. Auch in diesem Fall reicht ein einfaches +
Im Diagramm werden Picots durch einen kurzen geraden Strich dargestellt. In der folgenden Abbilung siehst Du einen Ring mit drei Picots. Der kleine Pfeil zeigt übrigens an, wo eine Anleitung startet.

Unser Beispiel von oben siehst Du im nächsten Diagramm. Man erkennt sofort, dass hier Picots bzw. Anschlingen im Spiel sind, da an beiden Ringen zwei Zahlen stehen. Die insgesamt 8 Doppelknoten werden durch die Anschlingstelle unterbrochen. Die Anschlingstelle ist der kurze, gerade Strich, der die beiden Ringe verbindet.
Der dünne gebogene Strich steht für den Faden zwischen den Ringen.

Gratulation
Wow! Ich gratuliere Dir von Herzen. Du kannst jetzt die Grundlagen des Occhi. Du hast Durchhaltevermögen gezeigt und Dir etwas ganz Besonderes beigebracht, was nicht jeder kann.
Du kannst jetzt z.B. schon das Ballon Trio Charlie nacharbeiten.
Wenn Du noch mehr Occhitechniken lernen möchtest schau mal in diese Artikel:
- Geteilte Ringe – wie man sie macht und wozu man sie braucht
- Doppelt und Dreifach – Wie man Doppel- und Tripelpicots macht
Hat Dir der Grundkurs gefallen? Schreibe mir gerne einen Kommentar.