Nützliches Occhi – Über den Sinn der Schiffchenspitze

Ist Occhi nützlich? Sind Handarbeiten generell nützlich?

Aber hallo!

Die Erzeugung von Textilien ist eine der bedeutendsten Kulturtechniken überhaupt. 2025 wurden damit weltweit rund zwei Billionen US$ umgesetzt. Ohne Weben oder Stricken hätte niemand von uns eine Jeans oder ein T-Shirt an. Es gäbe keine Bettwäsche, keine Vorhänge oder Handtücher.

Natürlich geht ein Großteil dieses Umsatzes auf die Industrie zurück. Unser gemütliches Hobbystricken ist damit nicht gemeint, aber die Technik ist genau dieselbe und es schadet nie, Wissen über wichtige Techniken zu besitzen.
Viele Menschen bedienen problemlos ihr Smartphone, ohne zu wissen, wie es im Inneren funktioniert. Das ist in Ordnung. Es kann nicht jeder alles wissen. Es gibt aber Menschen, die sich leidenschaftlich damit beschäftigen – in ihrer Freizeit, weil es ihnen Spaß macht. So manche großartige App wurde von einem passionierten Hobbyprogrammierer in seiner Freizeit entwickelt.
Mit unseren Handarbeiten ist es ähnlich. So manches Muster, das in der Industrie groß raus kam, ist an einem kalten Winterabend auf einem Sofa entstanden. O es wurde von einer engagierten Strickenthusiastin in einem Archiv wiederentdeckt. Wir sollten daher stolz sein, auf unser Wissen und Können.

Was ist nun aber mit der Schiffchenspitze

Während die Techniken Weben und Stricken geradezu unsere Welt zusammen halten, tut sich Occhi eher weniger hervor und ist den meisten Menschen sogar gänzlich unbekannt. Ich wollte ursprünglich einen Artikel über die Geschichte des Occhi schreiben, aber eine schnelle Onlinerecherche brachte derart dünne und widersprüchliche Ergebnisse, dass ich darauf nicht bauen wollte. Es wundert mich nicht, dass die großen Schlachten der Geschichte bis ins Kleinste erforscht und beschrieben werden, während die friedlichen, aber deswegen nicht weniger interessanten Themen links liegen gelassen werden. Das ist allerdings ein anderes Thema.

Man vermutet, dass Occhi im Mittelalter aus dem Orient nach Europa kam. Unser heutiges Occhi entstand allerdings wohl erst im 19. Jahrhundert. Welcher Teil kam aus dem Orient? Welcher kam im 19. Jahrhundert dazu und wie kam das moderne Occhi zurück in den Orient? Wie kam es nach Russland, Japan oder die USA? Hat sich die Technik an mehreren Orten unabhängig voneinander weiter entwickelt und später wieder vermischt? Vielleicht werde ich mich irgendwann einmal auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen machen.

Eine Aussage begegnete mir allerdings fast überall: In Europa war Occhi ein Hobby der Adeligen und es diente dazu den Müßiggang zur Schau zu stellen. Eine derart unnütze Handarbeit konnten sich nur Adelige leisten.

BAM!

Das hat gesessen. Ist mein liebstes Hobby wirklich so nutzlos und nur für Staubfängerdeckchen zu gebrauchen?

Nützliches Occhi

Erstens haben Kunst, Kultur und eben auch Hobbys heute absolut ihre Berechtigung und einen wichtigen Erholungswert. Den Wahnsinn unserer Zeit könnte ich ohne sie gar nicht aushalten.
Zusätzlich gibt es wie oben schon erwähnt eine unterschätze Schnittstelle zwischen dem Hobbyhandwerk und der Industrie. Die Industrie greift immer wieder dankend auf die Kenntnisse der kleinen, fleißigen Handarbeitenden zurück.
Außerdem ist unsere Gesellschaft heute ganz anderes strukturiert. Niemand macht mehr Occhi um zu zeigen, wie gelangweilt er ist. Eher im Gegenteil. Wer in seiner Freizeit etwas mit seinen Händen erschafft, wird eher bewundert oder sogar beneidet.

Nützlich vs. Nützlich

Auch wenn ich hundertprozentig hinter dem letzten Absatz stehe, beschäftigt mich dennoch seit Jahren die Frage, ob man Occhi auch für wirklich nützliche Dinge einsetzen kann. Dinge zur Zerstreuung oder zur Dekoration sind wichtig und nützlich auf ihre Art. Ich meine aber das andere Nützlich. Jenes Nützlich, das echte Probleme löst, das Füße warm hält oder Finger vor heißen Töpfen schützt.

Den Anfang habe ich mit meinen Maschenmarkierern und meinem Reihenzähler gemacht. Zugegeben, das sind nur sehr kleine Projekte. Immerhin kann man damit den Kauf von Plastikklammern vermeiden und ein paar Garnreste verbrauchen. Es rattert weiter in meinem Kopf: Wozu kann man ein löchriges Gewebe wirklich gebrauchen? Ha! Schon wieder eine Idee. Ihr werdet von mir hören…

Beschäftigt Dich diese Frage auch beim Handarbeiten? Hat Dich das Thema vielleicht sogar bisher vom Occhi abgehalten? Schreib mir gerne einen Kommentar.

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