Gesundes Stricken, Occhi und Co – Wie Handarbeiten unsere Gesundheit beeinflussen

Gleich vorweg: Ich bin weder Ärztin noch Psychologin noch Physiotherapeutin. Ich habe mit medizinischen Berufen rein gar nichts zu tun. Wer ernsthafte Beschwerden hat sollte versuchen einen Termin beim Arzt zu bekommen.

Ich beschreibe hier einfach laienhaft, was ich in meiner über 40-jährigen Handarbeitskarriere so alles erlebt und beobachtet habe. Vielleicht ist für Dich etwas Interessantes, Unterhaltsames oder Hilfreiches dabei.

Die Dinge auf der Welt sind weder gut noch schlecht. Wir Menschen sind es, die die Dinge für Gutes oder Schlechtes einsetzen und so können auch Handarbeiten sowohl positiv als auch negativ auf uns wirken.

Postive Effekte

Viele Menschen erleben Handarbeiten als wohltuend, entspannend und sinnstiftend. Die Hände sind beschäftigt und fühlen das weiche Material. Vor den eigenen Augen entsteht etwas Echtes, Haptisches und oft sogar auch Nützliches. Ich habe mir z.B. ein Set Küchenhandtücher gehäkelt. Immer wenn ich sie in die Hand nehme und benutze freue ich mich darüber und bin stolz. Beim Handarbeiten fühle ich mich positiv verbunden mit meinen Vorfahren, die zu ihrer Zeit auch schon die gleichen Bewegungen ausgeführt haben. Handarbeiten streichelt meine Seele und sogar in Zeiten, in denen es mir schlecht ging, haben sie mich geerdet und beschäftigt, bis es wieder besser war.
Viele Menschen erleben in Stricktreffs oder Nähkursen Gemeinschaft.

All das wirkt sich positiv auf auf unser Wohlbefinden aus. Man kann mit Occhi keine ernsten Krankheiten heilen, aber man kann sie erträglicher machen. Man kann mit Häkeln Einsamkeit bekämpfen und das macht einen großen Unterschied für die Betroffenen.

Einmal habe ich im Zug eine Frau getroffen, die Stricken als Therapieangebot im Gefängnis einsetzt – für Männer. Für die Teilnehmer, deren Leben zuvor durch Härte und Gewalt geprägt war, ist der Umgang mit dem weichen, sanften Material Wolle eine ganz ungewohnte und zuweilen wirklich heilende Erfahrung. Dieser Bericht hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt.

Übrigens, wer beim Fernsehen strickt, greift seltener in die Chipstüte.

Ein besonderer Aspekt sind für mich Handarbeiten für medizinische Zwecke. Darunter fällt für mich Stricken für Frühchen, genähte Herzkissen für Brustkrebspatientinnen oder auch Socken für Obdachlose im Winter. Menschen, die selbstlos solche Dinge herstellen, denken nicht nur an ihre eigene Gesundheit, sondern unterstützen und erhalten die Gesundheit anderer Menschen. Dafür werden sie selbst mit einem unvergleichlich warmen Gefühl belohnt.

Negative Effekte

Neben all den guten Gefühlen gibt es natürlich auch unschöne Effekte. Handarbeiten werden meistens im Sitzen ausgeführt und sind durch einseitige, häufig wiederholte Bewegungen charakterisiert. Einerseits ist es gerade der Stete Rhythmus aus hin und her oder links und rechts, der uns ein gutes Gefühl gibt, andererseits stellen diese repetitiven Bewegungen eine Herausforderung für unsere Körper dar. Beim Häkeln findet z.B. ein ständiges Hin- und Herdrehen der Nadel statt um den Faden aufzunehmen. Das kann eine starke Belastung der Finger und Handgelenke sein. Wenn wir die Zeichen unseres Körpers ignorieren, weil wir z.B. unbedingt ein Geschenk vor Weihnachten fertig stricken wollen, kann es sein, dass wir mit schmerzenden Fingern, Handgelenken oder Armen, mit verspannten Nackenmuskeln, verspannten Kiefermuskeln, Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und noch manchem anderen bestraft werden. Welche Beschwerden auftreten, hängt von der jeweiligen körperlichen Verfassung und vorhandenen Vorerkrankungen aber z.B. auch von der persönlichen Fadenspannung ab.

Ein Stück weit kann man vorbeugen, indem man von Anfang an auf dynamisches Sitzen und eine entspannte Haltung achtet. Im Eifer des Gefechts, ziehen wir die Schultern hoch, sitzen mit nach vorne gekipptem Becken oder krallen uns an den Nadeln fest. Sei achtsam mit Deinem Körper. Nimm Dir einmal die Zeit nachzuspüren, wo Dein Körper verspannt. Vielleicht sind es die gleichen Stellen, die sowieso schon dauernd im Büroalltag leiden. Manchmal helfen schon kleine Änderungen. Viele Handarbeiten kann man z.B. zur Abwechslung auch mal im Stehen oder sogar im Gehen machen. Wenn Du sehr fest strickst oder häkelst, arbeite an Deiner Fadenspannung. Ein bisschen lockereres Arbeiten kann Wunder wirken.

Wenn Dein Körper sich durch Schmerzen bemerkbar macht, höre zu. Mach eine Pause und geh spazieren.

Ein Spaziergang mit der Möglichkeit in die Ferne zu sehen ist übrigens auch Balsam für die Augen. Die Augen freuen sich außerdem über ausreichendes Licht beim Handarbeiten.

Ein wichtiger Punkt zum Schluss

Ich habe es im Text schon angedeutet. Handarbeit wirkt nicht auf jeden gleich. Wer als Kind gezwungen wurde, kratzige Wolle zu verspinnen, daraus Socke zu stricken und diese anschließend auch zu tragen, macht womöglich als Erwachsener einen großen Bogen um Stricknadeln. Das ist nachvollziehbar und auch völlig ok. Es gibt so viele Hobbies, die man ausüben kann. Handarbeiten sind nicht der einzige Schlüssel zum Glück.

Wenn Du wie ich zu denen gehörst, denen Handarbeiten einfach gut tun, dann lass es Dir gut gehen, mit Nadel, Schiffchen und Faden.

Empfohlene Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert