Flow beim Picot – Warum Picots keine Orte zum Ausruhen sind.

Stell Dir vor Du fängst einen einfach Ring 3 – 4 – 3 an. Wenn Dein Gehirn so ähnlich funktioniert wie meins, dann teilt es den Ring in drei Abschnitte ein. Ein Abschnitt mit drei Knoten, ein Abschnitt mit 4 Knoten und noch ein Abschnitt mit 3 Knoten. Die Picots sind die Trenner dazwischen. Das Zählen der Knoten verlangt uns Konzentration ab. Die Picots entstehen einfach. Es ist ein bisschen, als wären die Knotenabschnitten Strecken, die wir unter Wasser schwimmen und bei den Picots kommen wir zum Luftschnappen an die Oberfläche. Vielleicht sind die Picot für Dich sogar so eine Art Ruheinsel vor dem nächsten Knotenblock. Bist Du beim Picot angekommen, kannst Du das Schiffchen weiter abwickeln, schnell mal ins Handy schauen, oder aufs Klo gehen…

…oder vielleicht besser doch nicht?

Was passiert, wenn wir die Picots als Pausenort betrachten?

Unterbrechungen beim Occhi passieren ständig. Man muss nun mal gelegentlich das Schiffchen weiter abwickeln. Man muss einen neuen Faden ansetzen oder ganz banal mal einen Schluck trinken. Vielleicht klingelt es an der Tür, vielleicht ruft jemand an. Unterbrechungen gibt es und sie sind überhaupt nicht schlimm. Wenn wir sie allerdings immer auf die Picots legen, kommen wir nicht in den Flow. Die Picots werden ungleichmäßig lang und die Fadenspannung der umliegenden Knoten wird unregelmäßig. Für ein gleichmäßiges Ergebnis sollten wir nicht bei diesem Picot das eine und bei jenem Picot etwas ganz anderes machen. Picots sind nicht nur Lücken zwischen Knoten. Sie sind eigene Elemente, die elementar für die Ästhetik unserer Occhiarbeit sind. Geben wir ihnen die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Wie machen wir es besser?

Denke nicht in Knoten, denke größer, denke in Ringen und Bögen. Es tut Dir auf so vielen Ebenen gut Dich auf den ganzen Ring zu konzentrieren und nebenbei wird Deine Occhiarbeit einfach viel schöner. Sobald der Ring zugezogen oder der Bogen fertig ist, darfst Du alles machen.

Warum fällt es so schwer, die Pausen zwischen den Ringen und Bögen zu machen

Unser Gehirn ist ein Belohnungsjunkie. Immer wenn wir einen Erfolg erleben, werden die guten Hormone ausgeschüttet, die sich toll anfühlen. Das passiert auch jedes Mal, wenn wir einen Bogen abschließen und besonders, wenn wir einen fertigen Ring zuziehen. Wir wissen natürlich, dass auch Essen oder Sport zur Ausschüttung der guten Hormone führen, aber das Gehirn macht es sich da sehr einfach. Führt eine bestimmte Tätigkeit zum Erfolg, verschwendet es keine Energie mit Nachdenken. Es will sofort die gleiche Tätigkeit wieder. Das heißt, nachdem wir einen Ring zu gezogen haben, haben wir den schwer zu beherrschenden Drang, direkt den nächsten anzufangen. Wir wollen ja eigentlich dringend Staub wischen, aber unser Gehirn will mehr Occhi 😉

Hier habe ich leider keinen genialen Tipp. Hier hilft nur Disziplin. Mit Disziplin können wir den Junkie kurz zum Schweigen bringen und im Sinne des Großen Ganzen unser Schiffchen abwickeln, bevor wir den nächsten Ring anfangen.

Was lenkt Dich vom Deiner Lieblingshandarbeit ab? Schreibe mir gerne einen Kommentar.

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